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Was macht das Internet so besonders? Es ist ein Netzwerk der Netzwerke und eigentlich ist die Bezeichnung Internet eine Abkürzung von „Internetwork“. Eine der ersten Anforderungen an das Internet* war es, eine widerstandsfähige Struktur zu schaffen. Durch das Fehlen eines Zentrums sollte es vor gezielten Angriffen geschützt sein. Dafür verbindet das Internet Netzwerke. Heute ist es nicht überraschend, dass Daten und APIs, mit denen verschiedene Systeme verknüpft werden, so viel Aufmerksamkeit erregen. Zumindest nicht für Experten, die in diesem Bereich arbeiten und für die der Datenaustausch zwischen verschiedenen Systemen, Netzwerken, Computern und Software einer der Grundbausteine für die Öffnung des Internets ist. Denn das ist eine Art zu denken und eine logische und notwendige Voraussetzung.

Internetnutzer in Gefangenschaft?

In den Zeiten von Big Data, unstrukturierten Informationen, der Obsession mit Anti-Silos, Mash-Ups und Multichannel sind wir noch weit davon entfernt die Vorstellung eines geschlossenen Internet und die Kontrolle darüber aufzugeben. Natürlich ist die Zeit lange vorbei, in der AOL versuchen konnte sein eigenes Internet aufzubauen und hier ist auch nicht die Rede vom Internet im Iran oder in Korea. Dabei handelt es sich um absurde national begrenzte Netze, die nichts mit dem Web zu tun haben, das wir kennen. Hier ist die Rede von den Ambitionen der wichtigsten Kräfte im Netz, die täglich von einer Vielzahl von Menschen verwendet werden. Sie versuchen ihr Angebot ständig auszubauen um zum Internet schlechthin zu werden und die Nutzer so weit als möglich an ihre eigenen Dienste zu binden. Google und Apple sind hier die Avant-Garde, aber es gibt auch noch andere.

Die Idee ist einfach und beinhaltet das Interesse von Internetnutzern und Firmen zu fesseln um Einnahmequellen zu finden und zu sichern. Mit dem Ausdruck fesseln scheinen diese Unternehmen nicht das geringste Problem zu haben, aber ich denke nicht, dass sie damit den Erwartungen der Internetnutzer gerecht werden. Neben den Themen Privatsphäre, Missbrauch von Monopolen oder Steuerschlupflöchern gibt es noch eine andere Sache, die diese Herangehensweise für mich unakzeptabel erscheinen lässt: Sie widerspricht völlig dem Wesen des Internets. Es ist ein offenes System, ein Netzwerk der besten Lösungen. Ein einziges, großes System, das alles alleine zu leisten versucht, funktioniert einfach nicht. Das Internet ist zu komplex, zu vielseitig, entwickelt sich zu schnell. Kein System, egal wie groß und mächtig es auch sein mag, kann alle Funktionen des Internets bieten und die Ansprüche aller Beteiligten erfüllen. Was haben eine Hotel-Site, ein privater Online-Shop, ein Ministerium, ein Radiosender und der interne Bereich einer Online-Bank gemeinsam? Es gibt hunderte von CMS, E-Mail-Kampagnen-Systemen, Retargeting- und Testsystemen und das ist gut so, denn das Internet ist nicht auf einen Aspekt reduzierbar. Für jedes existierende Problem wird eine angepasste, relevante Lösung entwickelt.

Die Bedeutung von APIs

Was ist das Verhältnis zwischen Webanalyse und AT Internet? Wir glauben, dass es unsere Pflicht ist unser System für die besten Lösungen auf dem Markt zu öffnen und unseren Kunden die Möglichkeit zu lassen Ihre wichtigsten Webanalysedaten mit Ihrem Ökosystem zu synchronisieren. Denn unsere Kunden wissen, was sie brauchen.

Hier ein paar Beispiele: Wir arbeiten mit Leboncoin, dem Rathaus von Bordeaux, Soundcloud, den Sites der Carrefour-Gruppe und den meisten der führenden Banken Frankreichs zusammen. Es liegt auf der Hand, dass diese verschiedenen Kunden nicht das gleiche CMS, den gleichen AdServer oder das gleiche Business Intelligence oder CRM-System brauchen. Sollten wir sie also dazu zwingen ein Paket zu verwenden, das wir für das beste halten, nur deshalb weil es von uns kommt? Natürlich nicht! Jetzt nicht und auch in Zukunft nicht. Wir wollen nur sicherstellen, dass unser System eine grundlegende Regel beherzigt (die unserer Meinung nach auf alle Internet-Tools zutreffen sollte): Es soll offen sein und verwendet werden können um einfach und schnell Daten zu importieren und zu exportieren (das ist nicht so selbstverständlich, wie es aussieht, da jeder oder zumindest fast jeder eine API hat, die Leistung und der Umfang dieser APIs aber einige Überraschungen bereithalten können). Jeder Nutzer kann seine eigene Entscheidung fällen, das beste Ergänzungstool finden und das bestmögliche Internetwork schaffen. Natürlich sind wir dazu in der Lage, diese ergänzenden Tools zu finden und die Verknüpfungen zu erstellen, so dass alle Tools miteinander kommunizieren können. Allerdings muss sich jeder Nutzer und jedes Unternehmen selbst für das jeweils passende Tools entscheiden.

Geschmack und Software

Hier ist ein weiteres Beispiel dafür, wie viele Möglichkeiten im „Netzwerk“ zur Verfügung stehen. Man wirft dem Internet vor, sich negativ auf zeitgenössische Musik auszuwirken und in der Tat ist Musikpiraterie ein Problem. Allerdings habe ich keine Sympathie für die Musikindustrie, die uns über Jahre hinweg einen übertrieben beworbenen Musikmix aufgedrück hat und dabei fantastische Künstler wie Sixto Rodriguez (verpassen Sie nicht die Dokumentation über seine Wiederentdeckung) übergangen hat. Wir haben es der Offenheit der neuen Sendekanäle im Internet zu verdanken, wenn wir solche Edelsteine wie Laura Marling, Foxygen, Dan Magan entdecken oder die Erinnerung an Sublime wachhalten können.

Diese Auswahl ist natürlich sehr subjektiv (lassen Sie mich wissen, was Ihre Favoriten sind) und genau das ist das Gute daran. Sie sollten sich Ihre Tools so aussuchen, wie Sie sich Ihre Musik aussuchen: Nutzen sie das, was Sie mögen. Lassen Sie sich nicht von der Marketingabteilung führender Unternehmen (oder Softwarenabieter) beeinflussen, die ein Monopol aufbauen und mehr Profit durch ihre Werbeinvestitionen generieren wollen. Sie haben die Möglichkeit unter einer großen Auswahl an Angeboten genau das zu wählen, was Ihren Bedürfnissen entspricht.

Bitte arbeiten Sie mit uns zusammen an einem offenen Internet. Lassen Sie die Vielseitigkeit des Internet für sich selbst sprechen und schützen Sie es vor Einschränkungen und Zentralisierungsversuchen.

*Hinweis: Wir wollen nicht die ganze militärische, wissenschaftliche und wirtschaftliche Geschichte des Internets neu aufrollen, sondern nur einen Aspekt anreißen.

 

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Author

Generaldirektor Mathieu Llorens stieß im Jahr 2000 zu AT Internet und fungiert heute als Generaldirektor. Er ist Professor für Online-Marketing an der Universität Bordeaux. Mathieu verfügt über einen Master in Informationswissenschaften, mit Schwerpunkt in der Online-Traffic-Messung und ist Doktor der Literaturwissenschaft. Er wird regelmäßig eingeladen, Vorträge in Handelsschulen und auf Fachkonferenzen zu halten.

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