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Wachstums-Hacker interessieren sich nur für die Größe. Sie konzentrieren sich voll darauf möglichst günstig für schnelles, großes und sich selbst erhaltendes Wachstum zu sorgen (so ähnlich wie eine Lawine – sobald die losgetreten wurde, verstärkt sie sich selbst).

Digital Marketers hingegen arbeiten mit ihren Analytics-Lösungen, mit denen Sie Mehrwerte bekommen. Ihr Ziel ist es die Performance zu verbessern und damit für Wachstum zu sorgen. Der Digital Marketer ist immer auf der Suche nach Hinweisen, analysiert alle verfügbaren Daten (auch die scheinbar unwichtigen), erstellt eine Strategie, testet, misst, passt an und beginnt immer wieder von vorn.

 

Und irgendwann stößt er auf eine Goldader!!!! Der Digital Marketer entdeckt eine völlig unerwartete Möglichkeit, wie sich mit effizienten Investitionskosen ein starkes, nachhaltiges Wachstum erzeugen lässt: Der Digital Marketer mutiert zum Wachstums-Hacker!!! Das gilt besonders dann, wenn er sich dafür unkonventioneller Methoden bedient, die im Graubereich der momentanen ethischen Standards liegen.

Wahrscheinlich wird man den Digital Marketer danach immer so sehen, selbst wenn sie oder er nie wieder auf eine solche Goldader stößt.

Growth Hacking ist für Digital Marketers wie ein Meisterschafts-Pokal, den man sich ins Regal stellt. Man gewinnt im Laufe der Karriere vielleicht den ein oder Anderen, aber mit dem Tagesgeschäft hat das nicht unbedingt viel zu tun.

 

Das Dasein als „Growth Hacker“ ist für einen Digital Marketer nur ein kurzer Moment im Rampenlicht.

 

So wie Digital Marketers manchmal etwas geringschätzig auf die „normalen“ Marketer blicken, müssen sie sich jetzt gegenüber den (oft selbsternannten) Wachstums-Hackern rechtfertigen.

Aber man braucht schließlich immer neue Ausdrücke für das individuelle Branding um sich von anderen abzuheben.

 

Werfen wir einen Blick auf die Geschichte des Marketing, die natürlich ein Teil der Geschichte unserer Zivilisation ist: Es begann mit alten Propheten wie Michael E. Porter, William E. Deming, Peter Drucker und viele anderen, die ich hier nicht alle erwähnen will und die eine Schar von Anhängern zu einer geradezu kultischen Verehrung inspirierten.

Aber nur so lange bis sich andere Experten zur neuen Elite erklärten und die Alte mit einer neuen Botschaft ersetzten: Lasst uns einen Blick in die christliche Geschichte werfen, neu anzufangen, goldene Kühe abzuschaffen, den Glauben zu reformieren, nützliche (meist unverzichtbare) Konzepte verbessert wiederzuverwenden (oder sie einfach nur umzubenennen) und sie in die eigene Lehre einzubauen, dies war bereis von Erfolg gekrönt.

 

Die neue Lehre wird dann verbreitet und gedeiht bis zu dem Tag an dem ein neues Konzept auftaucht, das alles Etablierte in Frage stellt. Und alles beginnt von Neuem.

 

Wenn man sich den Trend des Growth Hacking anschaut, dann könnte man deshalb meinen, dass es gerade mehr Growth Hackers als Marketers gibt.

 

Aber wenn wir uns die Sache genauer anschauen, können wir leicht sehen, wo der Fehler in der Argumentation liegt … Die echten, authentischen Hacks, die seit 2010 immer wieder als Beispiele angeführt werden, sind nicht sehr zahlreich und nur schwer zu reproduzieren.

 

Ich möchte ein Gegenbeispiel bringen:

Airbnb und dessen berühmter Craigslist-Hack werden oft genannt. Aber in letzter Zeit können wir beobachten, dass große Immobiliengruppen ihre Angebote offensiv bewerben und zwar auf … Airbnb!


Dabei sind alle Zeichen eines Growth Hacking zu beobachten (obwohl wir hier nicht über Startups reden).
Hinweis: Wir beziehen uns nur auf den „White Hat“-Aspekt des Airbnb-Hack. Laut informierter Quellen begann im Jahr 2011 auch die zugehörige „Black Hat“-Komponente (die dann zeitweise von Craigslist gesperrt wurde).
Viele reguläre Aktionen und Marketingmaßnahmen wurden danach einfach Growth Hacks genannt: A/B-Testing, Landing Pages, Analytics, Omnichannel, E-Mailing, Social Selling, usw.

Das ist interessanter, außerdem viral und klingt besser.

 

Aber warum wird aus Marketing plötzlich Growth Hacking?

  • Die Aufgaben sind sehr ähnlich: Ein Growth Hacker ist ein Marketer aber nicht alle Marketer sind Growth Hacker.
  • Die Definition von Hacks an sich: sie sind nicht die Norm.
  • Die kurze Halbwertszeit eines Hack (was als Hack beginnt, kann zu gewöhnlichem Marketing werden, wenn man es zu oft widerholt. Damit verliert es seine Wirkung als Hack).
  • Der subtile Unterschied in der Zielsetzung: Digital Marketers und Growth Hackers streben nach Wachstum, aber der Growth Hacker konzentriert sich ausschließlich auf ultra-schnelle, kostengünstige Wachstums-Chancen, die selbsterhaltend sind (Das Verhältnis von [Nutzen]/[Kosten] ist herausragend und wächst proportional zur Größenordnung).
  • Die Philosophie hinter den Maßnahmen: Für den Growth Hacker rechtfertigt der Erfolg die Mittel. Das zeigt sich in der kreativen Herangehensweise, mit der sich Growth Hacker neuen Möglichkeiten zuwenden und wie locker sie mit bestimmten ethischen Standards umgehen (wobei sie aber nicht unbedingt Gesetze brechen).
  • Die Art des Unternehmens und sein Life Cycle: Startups brauchen schnelles Wachstum, damit sie nicht untergehen. Gefestigte Unternehmen dagegen streben danach ihre Position auszubauen und ihren Mitbewerbern einen Schritt voraus zu sein

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Es gibt nur wenige ausschließliche Growth Hacker – und so sollte es auch sein.

 

Nach wie vor sind die Vorteile des Digital Marketing, Lean Marketing, Analytics und auswertbarer Daten unverzichtbar. Es ist nicht selten, dass jemand, der als Growth Hacker begann, im Lauf der Zeit ganz natürlich zu seiner Rolle als Digital Marketer findet.

 

Sie sind also ein Digital Marketer? Dann sollten Sie stolz darauf sein!

 

Selbst wenn diese Berufsbezeichnung nicht mehr so glitzert wie früher, hat die Patina, die für Verlässlichkeit und solide Ergebnisse steht, auch was.

 

Wenn Sie ein vielseitiges Digital Analytics Tool haben, sich nicht davor scheuen in den Daten zu graben, die nötigen Fähigkeiten besitzen um sie zu analysieren, immer wieder Tests durchführen, bewiesen haben, dass Sie kreativ und agil arbeiten …

 

… dann müssen Sie sich nicht als Growth Hacker verkleiden und auch nicht auf den Hype hören – Sie sind schon jetzt unverzichtbar für Ihr Unternehmen.

 

Und wenn sich eines Tages eine Gelegenheit ergibt, werden Sie sie erkennen und wissen, wie Sie daraus einen Meisterschafts-Pokal machen!

Data Quality in Digital Analytics guide
Autor

Nach einem theoretischen und praktischen Management- und Einkaufstraining bei Carrefour sowie einem Verkaufstraining bei Procter & Gamble, entwickelte sich JM im Großhandel weiter. Er war in höchster Managementebene für große Supermarkt-, Großeinkaufs- und Logistik-Gruppen tätig. Unter anderem als Central Director auf dem afrikanischen Kontinent. Ende des Jahres 1995 gründete JM ein Internet-Startup und kam drei Jahre später ins Team von Alain Llorens zu AT Internet. Hier arbeitete er im Verkauf und war eine der treibenden Kräfte bei der Kartierung der noch jungen Web Analytics-Welt. JM ist mit 55 seit 2009 der Knowledge Manager des Unternehmens.

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