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Wie können uns Analysedaten helfen zu verstehen, wie digitale Tools heute genutzt werden? Über den reinen Business-Aspekt hinaus bietet Digital Analytics auch Material für die universitäre Forschung. An der Universität des Oberelsass (Université de Haute-Alsace) in Frankreich werden digitale Daten für Projekte verwendet, die Natur- und Sozialwissenschaften verbinden. Wir haben Carsten Wilhelm, Forscher am CRESAT (Centre for Reasearch on Economy, Society, Art and Technique – Zentrum für Ökonomie-, Gesellschafts-, Kunst und Technik-Forschung) der Universität des Oberelsass gebeten uns mehr darüber zu erzählen.

 

Welche Rolle spielt Digital Analytics an der Universität des Oberelsass?

Die Universität des Oberelsass (mit Sitz in Mulhouse und Colmar) ist eine multidisziplinäre Universität mit einem großen wissenschaftlichen und technischen Zentrum. Die Universität bietet unter anderem Kurse zu den aktuellen Ausprägungen der Kommunikation und digitaler Kultur an. Unser Interesse am CRESAT und am Lehrstuhl für Information und Kommunikations an den digitalen Methoden hat zwei Gründe:

  • Erstens haben wir beschlossen, die zugehörigen Fähigkeiten in den Lehrplan für die Studenten zu integrieren, die digitale Berufe anstreben. Dafür steht zum Beispiel unser Master-Abschluss in Kommunikation und Digital Publishing zur Verfügung. Für unsere zukünftigen Webprojekt-Manager, Kommunikationsmanager und Agentur-Kundenberater ist es wichtig, dass sie die Analysebranche kennen und verstehen. Nach ihrem Master-Abschluss arbeiten einige unserer Absolventen in diesem Sektor weiter und kommen bei internationalen Unternehmen unter. Profis aus der digitale Branche spielen eine wichtige Rolle in unserem Bildungsangebot. Wir arbeiten mit mehreren Unternehmen zusammen, darunter AT Internet. Sie wirken an unseren Kursen über Analytics, E-Reputation-Management, Learning Analytics, Community-Management und die digitale Rolle innerhalb einer Organisation mit. Dafür haben wir uns zahlreiche Partner gesucht. So können wir unseren Studenten Praktika und Volontariate bei Firmen anbieten, bei denen die digitale Kultur eine Rolle spielt.
  • Zweitens investieren wir seit mehreren Jahren in Forschungsmethoden aus der digitalen Welt. In diesem Rahmen interessieren wir uns besonders für Verfahren zur Analyse von Web-Daten für die sozialwissenschaftliche Forschung. Wir wollen voll und ganz verstehen wie diese Daten richtig für die digitale Sozialforschung zum Einsatz kommen können.

 

Nutzen Sie digitale Analysen zu Forschungszwecken?

Ja. Für uns war es völlig natürlich, eine Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften in die Wege zu leiten, um die Herangehensweisen von beiden besser zu verstehen. Mit diesem Ziel vor Augen wurde 2013 ein erstes internes Projekt finanziert um Spezialisten der Datenverarbeitung mit Sozialwissenschaftlern zusammenzubringen.

Wir wollen unseren Forschern mehr Tools zur Verfügung stellen, vor allem wenn diese an einem allgegenwärtigen Thema arbeiten, das besondere Anforderungen an die Bearbeitung stellt – wie das bei Webdaten und dem digitalen Tracking der Fall ist. Unser Kollege Dominique Boullier nennt das eine neue, dritte Generation der sozialwissenschaftlichen Forschung. Sie folgt der ersten Generation der Forschung (zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts), basierend auf statistischen Daten der Regierung und einer zweiten Forschungsgeneration (nach dem Krieg bis heute), basierend auf empirischen Forschungsmethoden, wie Meinungsumfragen. Heute haben digitales Tracking, digitales Rauschen und Big Data die Spielregeln verändert; Sie sind interessante, aber in der Anwendung komplexe Elemente. Durch sie sollten die Sozialwissenschaften besser verstanden und in ihre Prozesse integriert werden. Im Gegensatz zu Chris Anderson, der vor ein paar Jahren vorhergesagt hat, dass die Datenflut die wissenschaftliche Methode obsolet machen würde, da große Mengen an Daten Antworten geben könnten, ohne dass sie interpretiert werden müssten, denken wir, dass es sehr wichtig für die Sozialwissenschaften ist zu verstehen, wie diese Tools zur Datensammlung, Aggregation und Verarbeitung funktionieren, so dass wir sie zu unserem Vorteil nutzen können. Nach wie vor ist ein solider Ansatz in den Sozialwissenschaften notwendig, um diese Art von Daten zu organisieren und zu interpretieren. Das zeigt zum Beispiel das Algopol-Projekt, das von einem interdisziplinären Team geführt von Dominique Cardon durchgeführt wird. Wir verbinden daher systematisch WebDaten mit anderen Forschungsmethoden und, wenn möglich, kombinieren wir digitale Daten und qualitative Forschung.

 

Wir wollen wissen, wie die Datenanalyse das Verständnis von Human- und Sozialwissenschaftlern bereichern kann

 

Welche Methoden verwenden Sie um Ihre Daten auszuwerten?

Neben der Arbeit mit qualitativen Methoden (Beobachtungen, Interviews, Fokusgruppen) und traditionellen, quantitativen Methoden (Umfragen) wollen wir wissen, wie die Datenanalyse das Verständnis von Human- und Sozialwissenschaftlern bereichern kann.

Idealerweise verbinden wir quantitative Daten mit traditionelleren Methoden der Informations- und Kommunikationswissenschaft. Wir untersuchen auch die Frameworks, die von Tools wie der Analytics Suite von AT Internet zur Verfügung gestellt werden. Unser Kollege Dominique Cardon beschäftigt sich damit, warum besonders Sozialwissenschaftler sich für die Herangehensweise, Kategorien und Methoden dieser Werkzeuge interessieren sollten. Die Tools wurden für einen ganz bestimmten Zweck entworfen und sie spiegeln einen Denkprozess wieder, der zu den Berufen der Nutzer dieser Tools (zum Beispiel die Analysten) passt – und zwar sehr gut passt. Wenn wir mit diesen Werkzeugen arbeiten, müssen wir uns ihre Architektur genauer ansehen und die daraus resultierenden analytischen Schlüsse hinterfragen. Das ist sehr bereichernd.

 

Können Sie uns ein paar Beispiele nennen, an was Sie gerade arbeiten?

Das erste Projekt außerhalb unserer Mauern, das von AT Internet®-Tools profitiert, ist eine Studie, wie die Online-Ressourcen des Forum des Images verwendet werden. Wir nutzen dazu das Tracking der Web-Aktivitäten und traditionelle Forschung aus der Soziologie. Dieses Projekt zielt darauf ab, das Verhalten der Besucher der Website und des Forum (die nicht unbedingt die gleichen sind) besser zu verstehen und sie mit Angeboten zu vergleichen, die Musikliebhabern (Meisterkurse, Ausstellungszugang, Festivals, …) zur Verfügung stehen. Die Vielfalt bei den Besuchern kann allein mit dem Audience-Measurement, Digital Analytics oder Fragebögen nicht voll berücksichtigt werden. Diese Art des Forschungskontext und der Fragestellung erfordert eine kombinierte Methodik.

Diese Methode ist besonders nützlich für unser CUMEN-Projekt (Culture of Digital Media, ein Projekt von Idex / Novatris), das untersucht, wie Medien von der jüngeren Generation vom Gymnasium zur Universität und darüber hinaus verwendet werden. Dabei interessiert uns in Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partneruniversitäten besonders der internationale, multilinguale Vergleich (Frankreich, Deutschland, Schweiz, Vereinigte Staaten). Dieses Projekt kombiniert bereits mehrere Methoden (Tagebücher, Interviews, Fokusgruppen, Fragebögen). Und wir denken gerade darüber nach, welche Rolle Digital Analytics dabei spielen könnte.

 

Wirken sich die Ergebnisse von Projekten wie diese auf Ihre Methoden für den Unterricht der Kommunikationswissenschaften aus?

Die digitalen Angebote haben schon an sich unsere Lehrmethoden beeinflusst. In unserem Kommunikations- und Multimedia-Studiengang haben wir Arbeitsprojekte integriert um die Fähigkeiten unserer Studenten im Bereich Digital zu stärken, sobald sie ihr drittes Jahr beginnen. Unser Master-Studiengang für Kommunikation und Digital-Publishing integriert Analytics in den Lehrplan; Bei jedem Forschungsprojekt streben wir danach, unsere Schüler als Forscher oder Analysten selbst die Richtung bestimmen zu lassen. Bis zum Abschlussbericht müssen sie für unsere Partner einiges erarbeiten. Beim Erstellen dieses Berichts werden unsere Studenten daher mit zwei Seiten der angewandten Forschung konfrontiert: Die typischen Fragen zu beantworten, wie digitale Tools verwendet werden, und die Fragen von Forschern, die genau die gleichen Daten auswerten. Damit sind die Studenten in der Lage, Führungspositionen zu übernehmen und ihre Methode wenn nötig anzupassen. Wir kümmern uns zum Beispiel besonders in unseren Projekten für digitale Alphabetisierung innerhalb des CUMEN-Projekts und den Abschlussarbeiten, die von unseren Studenten erarbeitet werden, darum sicherzustellen, dass sie sich mit diesem Thema auskennen.

Wir laden alle Fachleute, die unsere Studenten oder Absolventen kennenlernen möchten, ein, sich mit uns über die LinkedIn- und Facebook-Seite der Universität des Oberelsass zu verbinden.

 

Vielen Dank an Carsten Wilhelm und das Lehrstuhl-Kollegium für Information und Kommunikation an der Universität des Oberelsass für ihre Beiträge zu diesem Artikel.

 

Author

Editorial Manager Bernard ist verantwortlich für die Contentstrategie der Marke AT Internet. Er hat fast 10 Jahre Erfahrung bei Marketingtexten und als technischer Redakteur für die Softwareindustrie. Als Textspezialist arbeitet Bernard mit vielen verschiedenen Medien, unter anderem Blogs, White Papers, Interviews, Business Cases, Pressetexte, Infografiken, Videos, etc. Seine Spezialgebiete? Natürlich Marketing und Digitale Analyse!

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