Kamel_Boudjema-OK

Kamel Boudjema ist seit 10 Jahren in der Webszene aktiv. Er ist Spezialist für SEO, Website-Gestaltung und für Webanalyse. Seit 2007 ist er verantwortlich für Digitale Strategie bei EBP, einem führenden Softwareproduzenten. Mit uns hat Kamel im folgenden Interview über seinen Werdegang und seine Erfahrung als Webmarketer gesprochen. Und über die Trends, die er in der Zukunft von Webanalyse sieht.

Was hat dich in deiner Karriere am meisten beeinflusst?

Da muss ich zunächst einmal einen meiner Lehrer erwähnen, der mich mit seiner Leidenschaft für seinen Beruf angesteckt hat. Dann die Samstagabend-Shows Capital und Culture Pub: Ich war schon als Kind fasziniert von Reportagen, die mit Kundenverhalten zu tun haben. Gleich danach kamen oft auch interessante Analysen der Werbung im Fernsehen.
Ansonsten bin ich jemand, der immer versucht herauszufinden, wie Dinge funktionieren. Um alles zu verstehen, was im Backoffice so vor sich geht, bin ich in die Tiefen des Web eingetaucht. Und habe Gefallen daran gefunden!

Was sind die größten Webanalyse Herausforderungen für einen Softwareproduzenten?

Jedes Jahr ändern sich Lebensweisen und Kaufverhalten tiefgreifend – zum großen Teil durch den Boom des Web. Damit sich eine Marke erfolgreich entwickeln kann, reicht ein Filialnetz allein nicht mehr aus. In Sachen Mobilität wurde es für EBP zu einer echten Herausforderung die Vielzahl von Kanälen (Verkaufsstellen, soziale Netzwerke, usw.) und das Erscheinen neuer digitaler Geräte (Mobiltelefone, Tablets, Smart TV, usw.) im Blick zu behalten.

Die Virtualisierung hat die Art, wie Software gekauft wird, grundlegend verändert. Der Softwaremarkt geht heute in die Richtung von „verbundenen“ Lösungen auf Basis von SaaS. Deshalb ist die Webanalyse in unserer Branche so präsent wie nie zuvor.

Nutzt ihr Webanalyse um eure eigene Softwarelösung zu optimieren?

Genau! Mit dem Aufkommen von SaaS-Lösungen haben wir zum Beispiel ein gesteigertes Interesse daran, welche Browser und Betriebssysteme unsere Kunden verwenden. Aber wir interessieren uns auch für ihre Bildschirmauflösungen und die verwendeten Geräte wie Mobiltelefone, Tablets oder Desktop-Computer. Damit können wir unseren Kunden Lösungen bieten, die an ihre Gewohnheiten angepasst sind.

Wo siehst du die Webanalyse in 10 Jahren?

Die Webanalyse wird durch die Vervielfachung der digitalen Kontaktpunkte mit den Konsumenten und die Entwicklung von performance-getriebenen Maßnahmen wie RTB, Anzeigen-Retargeting – und in Zukunft bestimmt noch jede Menge mehr – nie überflüssig werden. Die Bewertung des ROI bleibt unverzichtbar! Dafür muss man in der Lage sein zu messen, wie wirkungsvoll die Werbemaßnamen sind.

Aber Web Analytics wird auch immer ausgefeilter und spezialisierter – und als Konsequenz wird es immer schwieriger alle Funktionen zu nutzen, die ein Analysetool bietet. Mittlerweile ist es geradezu unmöglich geworden, wenn man nicht konkret dafür ausgebildet wurde. Wenn man das Problem der Vielzahl der Geräte und Kanäle hinzunimmt, erkennt man schnell, dass es für einen Webmarketer schwierig werden kann, alles beherrschen zu wollen. Ich denke, dass man bereits feststellen kann, wie sich neue, immer spezialisiertere Berufe herausbilden. Dazu zählen Webanalysten, Traffic Manager, Digital Project Manager und andere.

Was wird sich bei der Webanalyse besonders stark entwickeln?

Multichannel. Ich denke, wir werden die Multichannel-Analyse so weit vorantreiben, dass wir fast an die Offline-Messung herankommen. Die Berührungspunkte werden immer zahlreicher und komplexer. Ich denke, eines Tages wird es im Tool von AT Internet auch solche Quellen geben: „Plakatwerbungs-Kampagne: Kaufinger Straße – München“ – Wie? Zum Beispiel durch Geolokalisierung. Es ist vorstellbar, dass das Tool mit den GPS-Koordinaten der Plakatwerbung erkennen kann, dass der Konsument auf der Website angekommen ist, weil er mit seinem Smartphone genau hier war und das Plakat gesehen hat … Dafür braucht man passende Daten und Automation J. Aber die ersten Zeichen dafür sind bereits jetzt sichtbar …

Was behindert dich jeden Tag am meisten?

Es ist paradox, weil es noch nie zuvor so viele Daten für die Analyse gab, es aber zugleich noch nie so schwierig war, den maximalen Nutzen daraus zu ziehen. Nehmen wir zum Beispiel das organische Ranking, das sich auf Keywords stützt, die Besucher auf eine Website geführt haben. Durch die Datenschutzrichtlinien und die höhere Gewichtung, die Google auf HTTPS-Seiten legt, wird der Anteil der „nicht angegebenen“ Keywords weiter wachsen. Für alle, die in der Webmarketing-Branche beschäftig sind, wird es immer schwieriger ihre Arbeit zu machen…

Für mich liegt die Zukunft der Webanalyse-Tools in ihrer Fähigkeit das Beste aus quantitativen, öffentlich zugänglichen Daten herauszuholen, auch aus denen, die auf den ersten Blick keine besondere Bedeutung haben. Damit kann man größere und hinreichend verlässliche Segmente errechnen, die man für das Marketing nutzen kann.

Was gefällt Dir an Deinem Job am meisten bzw. am wenigsten?

Was ich mag: Projekte, in denen Websites neugestaltet werden. Aktuelle Bedürfnisse zu erfüllen und gleichzeitig vorauszusehen, wie sich die Sache in Zukunft entwickeln wird, ist eine spannende Sache.

Was ich nicht mag: Die Grauzonen von Google bei den Ranking-Kriterien. Es gibt jede Menge Fragen und wenige Antworten. Und Google setzt bewusst auf diese Strategie, sodass man ständig neu herumprobieren muss. Zum Beispiel wurden allein im Jahr 2013 am Algorithmus von Google 890 kleinere und größere Änderungen vorgenommen!
Aber man muss Google auch ein paar wichtige Fortschritte gutheißen, besonders wenn es um die Bekämpfung von Spam und betrügerische Links geht. Das verhilft echten, hochwertigen Websiten zu einem besseren Ranking und ist deshalb ein Ansporn für Webmaster. 🙂

Welche 3 Charakterzüge sollte man besitzen, wenn man im Webmarketing arbeitet?

  • Man sollte in einem Bereich, der sich schnell verändert, immer nach Informationen Ausschau halten
  • und sich deshalb unablässig fortbilden
  • und gern mit Zahlen arbeiten.

Was war dein größter Erfolg?

Mein größter Erfolg war, dass ich unser organisches Ranking, seit ich hier angefangen habe, um 70 % steigern konnte (wir sind für die wichtigsten Suchanfragen unserem Sektor, die wir für uns definiert hatten, auf den ersten zwei Seiten von Google).

Hast du eine interessante Anekdote zu erzählen?

Wir haben 2010 unsere Website gerelauncht und daraufhin 50 % unseres organischen Rankings verloren. Wir mussten nochmal von vorne anfangen … Eines ist jedenfalls sicher: Langweilig wird es einem SEO-Experten nie. J

Was würdest du einem blutjungen Anfänger in der Webanalyse raten?

Ich kann zwei Ratschläge geben:

Erstens, dass es ohne Kundenuntersuchungen oder Umfragen einfach nicht geht. Wir können durch die Webanalyse Einiges in Erfahrung bringen, aber sie hat auch ihre Grenzen. Sie dient erst einmal nur zur Beobachtung. Daher müssen wir uns davor hüten zu voreilige und subjektive Schlüsse zu ziehen. Die Zahlen führen uns zu Hypothesen, aber für deren Bestätigung brauchen wir „Offline“-Kontakte.

Der zweite Rat gilt dem Bewusstsein dafür, die eigene User Experience nicht mit der Norm zu verwechseln. Als Webspezialisten haben wir unablässig mit dieser Welt zu tun, also entwickeln wir bestimmte Reflexe und Gewohnheiten, die weit vom Verhalten der normalen Internetnutzer abweichen.

Vielen Dank an Kamel, dass er seine Erfahrungen mit uns geteilt hat. Wir wünschen ihm viel Erfolg … besonders beim Suchmaschinenranking! 😉

Author

Editorial Manager Bernard ist verantwortlich für die Contentstrategie der Marke AT Internet. Er hat fast 10 Jahre Erfahrung bei Marketingtexten und als technischer Redakteur für die Softwareindustrie. Als Textspezialist arbeitet Bernard mit vielen verschiedenen Medien, unter anderem Blogs, White Papers, Interviews, Business Cases, Pressetexte, Infografiken, Videos, etc. Seine Spezialgebiete? Natürlich Marketing und Digitale Analyse!

Comments are closed.